Über „South Pole“

In der Saison 2015/16 ging es an der Bayerischen Staatsoper an den Südpol: Der junge tschechische Komponist Miroslav Srnka erarbeitete gemeinsam mit dem australischen Schriftsteller Tom Holloway South Pole, eine Oper in englischer Sprache rund um die Entdeckung des Südpols. Uraufführung dieses Auftragswerks der Bayerischen Staatsoper war am 31. Januar 2016.

Die Handlung von South Pole

Die Handlung basiert auf den gleichzeitigen Südpolexpeditionen zweier konkurrierender Teams: des britischen um Robert Scott und des norwegischen um Roald Amundsen. Es ist eine Reise zweier Gruppen, die teils parallel ineinandergreifend, teils phasenverschoben dargestellt wird: eine Art „Doppeloper“, deren Stränge synchron beginnen und sich allmählich auseinanderentwickeln. 

Die Handlung folgt den historischen Begebenheiten: Robert Scott hat seine Expedition unter großer öffentlicher Anteilnahme vorbereitet, es war eine kombinierte wissenschaftliche und „sportliche“ Unternehmung – neben dem Sammeln geologischer und geografischer Erkenntnisse ging es darum, dass Engländer als erste den Südpol erreichen sollten.

Roald Amundsen plante seine Reise aber im Geheimen: Er täuschte vor, zum Nordpol aufbrechen zu wollen; eigentlich ging es ihm einzig um den Rekord, als erster Mensch zum Südpol vorzudringen.

Die Opernhandlung beginnt mit dem Telegramm, das Amundsen von Madeira aus an Scott schickte und mit dem er den Wettlauf eröffnete. Dank einer Kombination vieler Faktoren gelangte Amundsen mit seinem Team einen Monat vor Scott ans Ziel der Expedition. Scott und seine vier Begleiter kamen nicht nur zu spät, sie starben auch im Schneesturm auf dem Rückweg.


Die Musik von South Pole

Die Musik der Oper operiert mit mehrfachen, sich immer wieder anders ergebenden Überlagerungen. Die beiden Erzählstränge nähern sich immer mehr einander an, treffen sich beinahe am Südpol und entfernen sich wieder voneinander. Für bestimmte Momente gibt es „konkrete“ Musik: Beide Expeditionen hatten zur Unterhaltung Grammophone mitgenommen, Scotts Erkennungsmelodie ist die „Blumenarie“ aus Carmen (in der Einspielung von Enrico Caruso), Amundsens ist „Solvejgs Lied“ aus Peer Gynt; beide erklingen in den Originalaufnahmen auch in der Oper. Andere signifikante Momente mit besonderer klanglicher Gestaltung sind das allmähliche Einfrieren und das schließliche Sterben der Scott-Missionsteilnehmer.