You can do it!

21.01.2016

Nur Mut: Das T-Shirt war ein Geschenk von Verleger-Ehepaar Scheuch (Bärenreiter Verlag) für den Komponisten.
Nur Mut: Das T-Shirt war ein Geschenk von Verleger-Ehepaar Scheuch (Bärenreiter Verlag) für den Komponisten.

Die letztendliche  Entscheidung Miroslav Srnkas und Tom Holloways, das Wettrennen zum Südpol als Thema der Uraufführung zu wählen, fiel mit der zufälligen Entdeckung eines T-Shirts zum richtigen Zeitpunkt.  Doch die Anlagen für ein solches Werk werden natürlich sehr viel früher gelegt: im persönlichen Entwicklungsprozess und dank vieler Menschen, die den persönlichen und beruflichen Weg kreuzen.  In diesem Beitrag blickt Komponist Miroslav Srnka zurück bis auf seine Studienzeit, erzählt uns von spannenden Begebenheiten und schicksalhaften Treffen – aber vor allem von zwei prägenden Vorbildern und Unterstützern seines Schaffens:

Miroslav Srnka trägt das T-Shirt "mit dem alles begann".
Miroslav Srnka trägt das T-Shirt "mit dem alles begann".

Das norwegische Team um Roald Amundsen hätte beim Rennen zum Südpol nie das Erste sein können, wenn da nicht die Vorarbeit und Unterstützung von Fridtjof Nansen gewesen wäre. Ebenso hätte ich niemals South Pole geschrieben, wenn es nicht einige bestimmte Menschen für mich gegeben hätte.

Einer von ihnen war der tschechische Komponist Milan Slavický. Ich studierte Musikwissenschaft und komponierte dabei einige Stücke für die Schublade. Eines davon gelangte in seine Hände. Er rief mich an, wir trafen uns und er meinte, ich solle in seine Kompositionsklasse an der Akademie eintreten. Das hielt ich damals für unmöglich, weil ich keine richtige Kompositionsschulung hatte. Und es scheiterte auch bei der ersten Aufnahmeprüfung. Erst im Jahr danach ist es mir gelungen. Es schien immer so, dass Milan Slavický meine Studien in seiner Klasse nur mit einer ungeheuren Geduld beobachtet“ hat. Erst nach dem Abschluss habe ich begriffen, dass (und wie) er mich die ganze Zeit unterrichtet hat. Nachdem Milan Slavický allzu früh starb, schrieb ich das Stück Coronae für Horn. Eine Art Abschied. Und zugleich zufällig das erste Stück von einem neuen Recherche- und Kompositionsprojekt, an dessen Ende gerade South Pole steht. 

Die inzwischen sehr beachtliche T-Shirt-Sammlung des Komponisten
Die inzwischen sehr beachtliche T-Shirt-Sammlung des Komponisten

Ein weiterer dieser mich prägenden Menschen ist Leonhard Scheuch vom Bärenreiter Verlag. Noch während meiner Kompositionsstudien hatte ich angefangen als inzwischen ausgebildeter Musikwissenschaftler in Prag bei Bärenreiter zu arbeiten. Eines Abends im Jahr 2002 habe ich dann Barbara und Leonhard Scheuch im Prager Nationaltheater kennengelernt. In der Premiere von Schicksal (Janáček). Ohne eigentlich zu wissen, dass das Ehepaar den ganzen Bärenreiter-Koloss leitet, habe ich auf ihre Frage, was ich von diesem Werk hielte, geantwortet, dass es von der Handlung die blödeste Oper von Janáček sei. Woraufhin sie mit einer weisen und ruhigen Ausgeglichenheit entgegneten, dass sie die Verleger dieser Oper seien. Leonhard hat mir dann zwei Jahre später das Angebot gemacht, selbst von Bärenreiter verlegt zu werden. Ein Verlag leistet ungeheure Arbeit an den Partituren und dem Stimmenmaterial, die Arbeit an den Stücken bedeutet größtes Teamwork (dazu vor allem das Interview mit Michael Töpel über das Lektorieren einer Partitur). Am allerwichtigsten ist allerdings die unermüdliche Unterstützung des Verlegers. Auch bei der Entstehung von South Pole gab es lange Perioden, in denen mir Leonhard mit seiner eigenen Ruhe den Rücken frei hielt, so dass ich selbst die notwendige Ungestörtheit von der Außenwelt bekam, um schreiben zu können. Und es gab Perioden, in denen er mehr als ich glaubte, dass ich die Oper fertig schreiben kann. (An seine Nachrichten erinnere ich mich jedesmal bei den Proben zu South Pole bei der Szene, in der einer der Briten immer wiederholt: "You can do it! You can do it! You can do it!".)
Die Geschichte von South Pole begann mit einem T-Shirt. Auch vom Verlegerpaar Scheuch bekam ich während der Arbeit einige weitere Exemplare für die inzwischen recht stolze antarktische T-Shirts-Sammlung - das sagt alles.

Das Stück Coronae is dem Andenken an Milan Slavický gewidmet. Das Stück Beckerlieder wurde Barbara Scheuch-Vötterle zum Geburtstag gewidmet. Beide Stücke sind bei den Themenkonzerten am 22. und 23 Januar 2016 zu hören.

Srnka, Miroslav

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