Wie klingt der Südpol?

28.01.2016

Interessierte Zuhörer der Installation an einem winterlichen Nachmittag
Interessierte Zuhörer der Installation an einem winterlichen Nachmittag
Moritz Gagern im Gespräch mit Thomas Rott, dem Leiter der Tonabteilung (oben im Fenster)
Moritz Gagern im Gespräch mit Thomas Rott, dem Leiter der Tonabteilung (oben im Fenster)
Fünf Lautsprecher transportieren die Klanginstallation unter das Hauptportal des Nationaltheaters.
Fünf Lautsprecher transportieren die Klanginstallation unter das Hauptportal des Nationaltheaters.
Der Berliner Komponist Moritz Gagern beim Soundcheck
Der Berliner Komponist Moritz Gagern beim Soundcheck
Das Zelt in der Mitte des Max-Joseph-Platzes ist einem historischen Expeditionszelt nachempfunden.
Das Zelt in der Mitte des Max-Joseph-Platzes ist einem historischen Expeditionszelt nachempfunden.

Der Stoff der Uraufführung von South Pole bietet alle Zutaten für ein packendes Drama: Robert Falcon Scott gegen Roald Amundsen, zwei Nationen im Wettstreit, Sieg oder Niederlage, ein Rennen um Tod oder Überleben! Doch neben der szenischen Spannung spielt die Musik eine entscheidende Rolle: das Zusammenspiel des Orchesters im Graben mit den Sängern auf der Bühne ist schließlich die Seele einer Oper. So häuften sich spätestens zum Ende der Sommermonate 2015 auch in der Abteilung der Besucherkommunikation der Bayerischen Staatsoper die Nachfragen: „Wie wird sich nun eigentlich der Südpol anhören?“. Miroslav Srnka wird uns am 31. Januar 2016 „seine musikalische Antwort darauf geben. Doch schon lange bevor er die Partitur der Oper fertiggestellt hatte, erhielten wir von ihm eine klare Einschätzung zum Klang der Antarktis: „Am Südpol ist es niemals still – es ist laut!. Das ist interessant – mitnichten eine "great white silence", eine große weiße Stille, wie es der gleichnamige Film von 1924 vermuten lässt, der in Originalaufnahmen einen Eindruck von Robert Falcon Scotts Expedition zum Südpol gewährt. Keine gedämpfte Geräuschkulisse, kein rieselnder Schnee, wie wir es vielleicht von einem Winterspaziergang kennen? Dafür ist es in der Antarktis viel zu kalt. Der Schnee sieht nur aus wie Schnee, in Wahrheit ist er klirrendes Eis. Bei seinen Recherchen hat sich Miroslav Srnka mit Expeditionsteilnehmern, die bereits die Antarktis durchquert haben, unterhalten:  Sie berichten von knirschenden Eismassen und von gewaltigen Kräften, die aufeinander einwirken – und zwar in ununterbrochener Dauerschleife. Das hatten wir nicht erwartet ...  und eine Idee war geboren: Wir wollten für unsere Besucher eine Gegenüberstellung schaffen, auf der einen Seite der „echte“ Klang der Eiswüste vor dem Opernhaus, auf der anderen Seite die künstlerische Interpretation Miroslav Srnkas auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper.
Moritz Gagern, Komponist und Klangexperte aus Berlin, der dem Haus schon durch vorausgehende Projekte bei den Münchner Opernfestspielen verbunden ist, willigte zu unserer Freude sofort ein, diese Idee zum Leben zu erwecken. Er machte sich in umfassender Recherchearbeit auf, die Antarktis hörbar zu machen, und sammelte so zahlreiche Originalaufnahmen dieser unbewohnbaren und unwirtlichen Gegend. Im Dezember fügte er diese Geräusche zu einer Gesamtcollage zusammen. Seine „Klanginstallation des Unbewohnbaren ist nun seit der Premierenmatinee zu South Pole am 17. Januar unter dem Hauptportal des Nationaltheaters zu erleben und hat nicht nur bei Opernfans, einheimischen Flaneuren, sondern auch bei den Touristen der Stadt zu großer Aufmerksamkeit am Platz geführt.
So fragte Lars, ein junger Besucher aus Hamburg gestern auf den Treppen des Nationaltheaters: „War das der Blauwal? Oder ein Pinguin?“ – und seine Eltern forschten gleich darauf in dem dort zur Verfügung gestellten Beschreibungstext nach einer Lösung. Die Installation ist also auch eine sinnliche Entdeckungsreise und lässt Raum für Interpretationen und die eigene Fantasie. Ein bisschen erinnern die Klänge laut Moritz Gagern auch an Star Wars, „wenn die großen, sich aneinander reibenden Eisflächen Dispersionseffekte entstehen lassen. Lars konnte dem gestern nur zustimmen. 


Zum Südpol. Eine Klanginstallation des Unbewohnbaren von Moritz Gagern. Unter dem Portal des Nationaltheaters am Max-Joseph-Platz 2, vom 17. Januar bis 11. Februar 2016 täglich von 12.30-20.30 Uhr. Länge ca. 12 Minuten, Neustart alle 20 Minuten. 

Schloderer, Matthias

Zurück

Kommentare

Neuer Kommentar