Ein doppelter Kraftakt

05.02.2016

Übertitel gehören zu so gut wie jedem Opernbesuch: Gesangstexte in Italienisch, Französisch, Russisch, Englisch und auch Deutsch werden durch diese unscheinbare Tafel, die über der Bühne hängt, für den Zuschauer verständlich, und man kann der Handlung besser folgen. Eine Herausforderung in der Vorbereitung sind diese Übertitel allemal: Der Text des Librettos muss in eine entsprechende Übertitel-Präsentation gebracht, der Klavierauszug eingerichtet und die Übertitel-Fahrten geprobt werden. Die Doppeloper South Pole von Miroslav Srnka stellte uns jedoch vor einige andere Aufgaben und Schwierigkeiten.

Schon früh stand hier fest: Auch die Übertitel müssen, wie die Bühnenhandlung, parallel gefahren werden. So macht man es dem Zuschauer vor allem einfacher, das britische vom norwegischen Team zu unterscheiden. Doch das bedeutet nicht nur eine intensive Auseinandersetzung mit Text und Noten, sondern auch den ein oder anderen kleinen Trick und vor allem eine Menge Geduld!

So oder so ähnlich hat sich die Koordination von Dramaturgie und Übertitelinspizienz abgespielt – ein Einblick in die Email-Kommunikation von Laura Imsirovic (Übertitelinspizientin) und Nicole Brodhof (Dramaturgie-Volontärin):

Liebe Laura,

South Pole steht vor der Tür und wir haben diese ganz besondere Übertitel-Situation. Habe ich das richtig verstanden, dass wir nur eine Präsentation brauchen, die zweigeteilt ist?

 

 

Hallo Nicole,

Ja, genau. Ich hab’ schon mitbekommen, dass es etwas spezieller wird. Unsere LED-Tafel, die wir sonst benutzen, wird uns diesmal nicht weiterhelfen. Wir werden wohl zwei Beamer brauchen, mit denen  wir die Texte der beiden Teams projizieren können. Es sollte aber technisch machbar sein, dass wir trotzdem nur eine Präsentation und einen Inspizienten benötigen. Das wäre natürlich die einfachste Lösung. Wird schon hinhauen!

Na hoffentlich! Wie sieht es denn mit den Displays aus, die bei den Sitzplätzen angebracht sind, auf denen man die Übertitel-Tafeln nicht sehen kann? Können die auch in der Präsentation untergebracht und gleichzeitig gefahren werden?

 

 

Das hoffen wir! Die EDV-Abteilung plant, die Präsentation vierzuteilen und die oberen beiden Teile den zwei Bühnenprojektionen zuzuteilen und eine der unteren den Displays.

Das wäre natürlich super! Wir haben jetzt auch die Vorlage aus der EDV-Abteilung bekommen und bereits mit der Präsentation angefangen. Es sind zwar noch drei Wochen bis zur Premiere, aber wir würden die Übertitel gerne so früh wie möglich mitlaufen lassen, um zu schauen, ob auch alles klappt, was wir uns so optimistisch überlegt haben.

 

 

Vor allem muss ich das Fahren der  Übertitel auch mal üben; ist ja schließlich eine Uraufführung! Wollen wir es am Samstag bei der  Bühnenklavierprobe mal ausprobieren?

Gerne! Die Präsentation ist zwar noch nicht ganz fertig, aber das wäre eine gute Hilfe. Wundere dich übrigens beim Fahren der Übertitel nicht, wenn die ein oder andere Folie bzw. Seitentafel dupliziert ist. Dann ändert sich nur bei der linken bzw. rechten Seite der Text oder kommt hinzu. Das ist zwar ungewöhnlich, aber wir wollen gerne, dass die Gesangseinsätze deutlicher werden, und sichergehen, dass der Zuschauer zwischen Briten und Norwegern gut unterscheiden kann.

 

 

Das lief doch gestern schon mal ganz gut, oder? Es war total spannend die Musik das erste Mal zu hören und den Notentext zu sehen. Ich frag mich schon, wie es mit Orchester klingen wird.

 

 

Ich nochmal: Habe gerade mit der EDV gesprochen. Es gibt leider ganz schlechte Nachrichten! Es ist technisch nicht lösbar, die Präsentation auch noch auf den Displays zu spielen. Wir brauchen also nicht nur zwei Präsentationen, sondern auch zwei Klavierauszüge und noch einen zweiten Übertitelinspizienten.

O nein!  Dann gebe ich gleich mal in der Bibliothek Bescheid, dass wir noch einen Klavierauszug brauchen. Ich denke aber nicht, dass ich jetzt schon mit dem Einrichten der zweiten Präsentation anfangen werde. Die erste ist ja noch nicht hundertprozentig fertig und wenn wir jetzt schon anfangen, parallel zu arbeiten kommen wir aus dem Korrigieren gar nicht mehr raus und verlieren völlig den Überblick.

 

 

Das ist wohl das Beste. Dann werden wir wohl nach der Klavierhauptprobe weitersehen.

Juhu, Klavierhauptprobe geschafft! Soweit sind auch alle zufrieden, nur ist die Meinung einstimmig, dass jetzt doch alle Breitengradzahlen übertitelt werden sollen. Dann versteht man einfach besser, was gesungen wird, und es ist ein ganz schöner Effekt, dass man das zeitversetzte Näherrücken beider Teams auf diese Weise verdeutlichen kann. Ich richte den Klavierauszug dann entsprechend neu ein.

 

 

Puh … das war ja heute ganz schön rasant! Ich befürchte, dass wir das mit den Licht- und Übertitel-Blacks nicht exakt koordiniert bekommen. Vielleicht sollten wir uns diese Stellen nochmal bei der nächsten Probe anschauen? Es soll ja nicht wie ein Fehler wirken, oder?

Ja, das haben wir auch gemerkt und nochmal darüber gesprochen. Es ist wohl das Beste, wenn wir die Folien mit den Breitengradzahlen einfach auch während der Licht-Blacks stehenlassen.

 

Jetzt wird es glaub ich aber auch höchste Zeit, die zweite Präsentation für die Displays fertig zu machen. Da wird’s auch nicht weniger kompliziert: Wir haben ja nicht die links/rechts-Trennung wie auf der Bühne, um die Teams voneinander zu unterscheiden. Da bleibt wohl nichts anderes übrig, als fast jedes Mal die Namen mitzuschreiben. Und dort, wo es geht, die Teams durch eine Leerzeile zu trennen. Bei der Orchesterhauptprobe sehen wir dann, ob das alles so klappt.

 

 

Alles klar, Moritz steht schon in den Startlöchern. Nun geht’s nur noch darum, dass wir uns zu zweit im kleinen Kammerl koordinieren.

Wir saßen bei der Orchesterhauptprobe jetzt auch so, dass wir sowohl Bühnen-Übertitel als auch Displays sehen konnten. Jetzt können wir optimistisch auf die Generalprobe schauen! Wir ändern auch nur noch ein paar Kleinigkeiten. Versprochen!

 

 

Hier ein kurzes Update aus der Pause: Irgendwas hat bei den Einsätzen nicht übereingestimmt – zumindest waren Moritz und ich an einer Stelle nicht parallel. Das sollten wir uns auf jeden Fall nochmal nach der Generalprobe anschauen! Aber sonst war doch alles klar, oder?

Ahja, das war ein Fehler. Der muss bei den Korrekturen heute Morgen entstanden sein. Wir müssen bei den zwei Versionen für Beamer und Displays echt aufpassen, dass da nichts übersehen wird. Ich setze mich vor der Premiere auch nochmal hin und gehe alle Klavierauszüge und Präsentationen genau durch, dass alle übereinstimmen. Wir sehen uns dann Sonntag. Toi, toi, toi!!!

 

 

 

 

 

 

Wir nähern uns dem Ende! Ich richte dann jetzt noch den Klavierauszug ein und notiere alle für uns wichtigen Anmerkungen hinsichtlich Tempi, Taktangaben und Lichtzeichen. Dann sind wir bereit für die Premiere – euch auch toi, toi, toi!


Bildergalerie: Zu Gast in der Übertitelinspizienz

Zunächst muss die Präsentation geschrieben und der Klavierauszug mit den jeweiligen Foliennummern (Cues) beschriftet werden.
Zunächst muss die Präsentation geschrieben und der Klavierauszug mit den jeweiligen Foliennummern (Cues) beschriftet werden.
Viele Änderungen entstehen erst im Probenprozess. Da heißt es oft: Radieren und den Bleistift spitzen (rechts der Bleistift vor, links nach den Proben von South Pole)!
Viele Änderungen entstehen erst im Probenprozess. Da heißt es oft: Radieren und den Bleistift spitzen (rechts der Bleistift vor, links nach den Proben von South Pole)!
Einige Tage vor der Premiere muss der Klavierauszug eingerichtet werden.
Einige Tage vor der Premiere muss der Klavierauszug eingerichtet werden.
Beim Eintragen der Ziffern darf man sich nicht mehr verschreiben!
Beim Eintragen der Ziffern darf man sich nicht mehr verschreiben!
Ein kleiner Eindruck, wie oft bei den Breitengradzahlen geklickt werden muss.
Ein kleiner Eindruck, wie oft bei den Breitengradzahlen geklickt werden muss.
Und hier sitzen dann die Übertitler während der Vorstellungen: Den Ton gibt es über Kopfhörer und das Bild über verschiedene Monitore (oben links: Displays; unten rechts: Sicht auf die Bühne mit Übertiteltafeln; unten rechts: Dirigent).
Und hier sitzen dann die Übertitler während der Vorstellungen: Den Ton gibt es über Kopfhörer und das Bild über verschiedene Monitore (oben links: Displays; unten rechts: Sicht auf die Bühne mit Übertiteltafeln; unten rechts: Dirigent).

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