Großbaustelle Südpol

30.04.2015

Die Produktionsfamilie von "South Pole" findet bei der Bauprobe zum ersten Mal komplett im Zuschauerraum des Nationaltheaters zusammen.
Die Produktionsfamilie von "South Pole" findet bei der Bauprobe zum ersten Mal komplett im Zuschauerraum des Nationaltheaters zusammen.

Noch sind es knapp neun Monate bis zur Uraufführung von South Pole, doch an einem Samstag Ende März spielte das Bühnenbild dieser Neuproduktion im Nationaltheater bereits die Hauptrolle. Ein Bericht von der Bauprobe.

Nachdem Regisseur Hans Neuenfels rund einen Monat zuvor sein Bühnenbildmodell in der technischen Direktion der Bayerischen Staatsoper dem Haus vorgestellt hatte, wurde das Bühnenbild nun nach dieser Vorlage – rein provisorisch zunächst – bei der Bauprobe auf der großen Bühne des Nationaltheaters ausprobiert. Doch so eine Bauprobe ist nicht nur ein Austesten und Ausloten der Bühnenmaße, der Akustik und der Ästhetik, es ist auch ein spannender, initialer Moment in der Entstehungsphase einer Produktion.

Zum ersten Mal treffen sich alle an einer Produktion beteiligten Personen und Abteilungen als gesamtes Team. In dieser Konstellation wird sich die gemeinsame Probenarbeit ab nun kontinuierlich verdichten und im Januar 2016 mit der Premiere schließlich zu ihrem Abschluss gelangen. Die große Produktionsfamilie setzt sich aus Mitarbeitern des Hauses und aus externen Gästen zusammen – eine Verzahnung, die bei der Bauprobe zum ersten Mal besonders ersichtlich wird. Ideen des Komponisten und des Regieteams werden hier mit den ausführenden Abteilungen besprochen, durchdiskutiert und gemeinsam wird an der Ausführung des Projektes gearbeitet.

Komponist Miroslav Srnka, Regisseur Hans Neuenfels und der Technische Direktor Karsten Matterne im Gespräch.
Komponist Miroslav Srnka, Regisseur Hans Neuenfels und der Technische Direktor Karsten Matterne im Gespräch.

Komponist Miroslav Srnka sitzt im Zuschauerraum des Nationaltheaters und betrachtet das mit Hilfe von Tüchern und Rahmen zurechtgesteckte Provisorium, das das spätere Bühnenbild andeutet. Langsam füllen sich die Reihen: Intendant Nikolaus Bachler, Mitarbeiter des Künstlerischen Betriebsbüros, der Musikalischen Direktion, der Werkstätten, der Technik, der Licht- und Videoabteilung sowie der Kostümabteilung kommen an diesem Samstagvormittag hier zusammen. Sogar „Amundsen“ Rolando Villazón findet zwischen der Proben zu Les Contes d’Hoffmann Zeit, die Bauprobe zu besuchen und einen Blick auf das Bühnenbild zu werfen. Schließlich treffen Regisseur Hans Neuenfels und sein Team mit Bühnenbildnerin Katrin Conan, Kostümbildnerin Andrea Schmidt-Futterer sowie seinen Assistenten ein. Es gibt viele Wiedersehen, neue Begegnungen und erste Kennenlernen – auf jeden Fall herrscht reges Begrüßungstreiben, bis es dunkel wird im Saal und die Bauprobe beginnt.

In den folgenden knapp zwei Stunden werden einzelne Raumsituationen der Oper nachgestellt. Mithilfe von aus dem Staatsopernfundus ausgeborgten Requisiten wird ein Gefühl für den Raum und ein Erspüren der Szenen ermöglicht. Statisten schlüpfen in die Rollen der Expeditionsteilnehmer und ihrer sie begleitenden Tiere. Je nach Szene wechseln sie die Kleidung, setzen Masken auf, ändern ihre Körperhaltung und Position. Die Lichtabteilung probiert verschiedene Lichtstimmungen und Beleuchtungseinstellungen. Auch die Übertitelinspizienz kontrolliert bereits die mögliche Positionierung der Übertitel, die Videoabteilung testet die ersten Projektionen.

Auch die Videoabteilung probiert schon geplante Projektion aus.
Auch die Videoabteilung probiert schon geplante Projektion aus.

Damit die Bühne auch von allen Zuschauerpositionen des Hauses gut einsehbar ist, werden die Sichtachsen bis hoch zur Galerie kontrolliert. Dimensionen werden getestet, Maße nachjustiert. Und das im wörtlichen Sinne: Bühnenarbeiter setzen Änderungswünsche direkt auf der Bühne um. Permanent ist das Regieteam jetzt in der Absprache mit der Werkstättenleitung und der Technischen Direktion – ist das Konzept überhaupt auf dieser Bühne so umsetzbar, können alle Wünsche des Regieteams erfüllt werden?

Doch nicht nur ästhetische Fragen sondern auch akustische Fragen werden durchdiskutiert. Miroslav Srnka wird in seiner Komposition den Schlittenhunden und Ponys mit Hilfe von Hornisten und Klarinettisten ihre eigene Stimme verleihen. Um die enge Beziehung zwischen Expeditionsteilnehmern und Tieren zu verstärken, werden die Musiker auf der Bühne positioniert. Srnka und Neuenfels nutzen die Gelegenheit, die Position der Musiker zu klären, die ganz entscheidend für die Koppelung zwischen Tierdarstellern und ihren Instrumenten sein wird. Zusammen mit den Werkstätten wird über die Schalldurchlässigkeit der Bühnenrückwand gesprochen – ein kleines, aber wichtiges Detail der Baustelle Südpol.

Nachdem alle Fragen der Beteiligten geklärt sind, wird der kurze Blick auf den Südpol auch schon wieder von der Technik abgebaut. Nun trennen sich die Wege des Produktionsteams erst einmal wieder – jeder ist jetzt mit seinen eigenen, das Projekt betreffenden Aufgaben beschäftigt. Das „echte“ Bühnenbild wird jetzt in den Werkstätten der Staatsoper in Poing gebaut, die Kostüme werden genäht, das Regieteam feilt am Konzept ... bis das Team im November dieses Jahres bei der Endprobenphase wieder aufeinandertrifft.

Fotos von P.S.Zoeller

Die Produktionsfamilie von "South Pole" findet bei der Bauprobe zum ersten Mal komplett im Zuschauerraum des Nationaltheaters zusammen.
Die Produktionsfamilie von "South Pole" findet bei der Bauprobe zum ersten Mal komplett im Zuschauerraum des Nationaltheaters zusammen.
Mit Hilfe von Stoff und provisorischen Requisiten wird das geplante Bühnenbild imitiert.
Mit Hilfe von Stoff und provisorischen Requisiten wird das geplante Bühnenbild imitiert.
Miroslav Srnka und Hans Neuenfels im Gespräch über die Positionierung der Bühnenmusik
Miroslav Srnka und Hans Neuenfels im Gespräch über die Positionierung der Bühnenmusik
Statisten der Bayerischen Staatsoper stellen die Expeditionsteilnehmer dar.
Statisten der Bayerischen Staatsoper stellen die Expeditionsteilnehmer dar.
Betriebsdirektor Viktor Schoner spricht mit Rolando Villazón über das Bühnenbild.
Betriebsdirektor Viktor Schoner spricht mit Rolando Villazón über das Bühnenbild.
Blick von der Hinterbühne in den Zuschauerraum: Das aus Martin Kušejs "Macbeth"-Inszenierung entliehene Zelt wird als provisorische Bühneneinrichtung verwendet.
Blick von der Hinterbühne in den Zuschauerraum: Das aus Martin Kušejs "Macbeth"-Inszenierung entliehene Zelt wird als provisorische Bühneneinrichtung verwendet.
Mit Hilfe provisorischer Masken schlüpfen die Statisten kurzzeitig in die Rolle von Amundsens Schlittenhunden.
Mit Hilfe provisorischer Masken schlüpfen die Statisten kurzzeitig in die Rolle von Amundsens Schlittenhunden.
Blick aus dem markierten Zwinger der Hunde
Blick aus dem markierten Zwinger der Hunde
Intendant Nikolaus Bachler im Gespräch mit Rolando Villazón. Im Vordergrund beobachtet Miroslav Srnka das Geschehen auf der Bühne.
Intendant Nikolaus Bachler im Gespräch mit Rolando Villazón. Im Vordergrund beobachtet Miroslav Srnka das Geschehen auf der Bühne.
 

Müller-Dohle, Carolin

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