Das erste Treffen von Komponist und Regisseur

02.11.2015

Berlin, am Beginn des Jahres 2015. Zum ersten Mal begegnen sich der Komponist Miroslav Srnka und der Regisseur Hans Neuenfels, der die Uraufführung von South Pole inszenieren soll. Ein Rückblick auf einen außergewöhnlichen Tag von Malte Krasting.

Einen Tag lang wollen sich Srnka und Neuenfels kennenlernen – und wie sollte das besser geschehen, als in medias res zu gehen und ohne Umschweife in die Arbeit einzusteigen. Gleich nach dem Frühstückskaffee kommt man zusammen in der Charlottenburger Wohnung, in der Neuenfels und seine Frau, die Schauspielerin Elisabeth Trissenaar, seit Jahrzehnten leben.

Miroslav Srnka erzählt, wie er und sein Librettist Tom Holloway die Stoffidee entwickelt haben, was für eine Struktur dem Text und der – damals erst noch entstehenden – Musik zugrunde liegt. Dazu hat er ein optisches Hilfsmittel mitgebracht: Ein detailliertes, groß auf dem Staatsopern-Plotter ausgedrucktes Diagramm, farblich markiert nach verschiedenen emotionalen, meteorologischen, geografischen Stadien, mit dem er den Verlauf der Handlung mit allen parallelen Ereignissen darstellen kann. Erste Fragen treten auf: Wie lässt sich Nähe und Ferne, oder genauer: wie lassen sich Näherkommen und Sich-Entfernen auf der Bühne sicht- und hörbar machen? Wie sollen die Schlittenhunde und Ponys verkörpert werden, an deren Leistungen das Leben der Expeditionsteilnehmer hing?

Auch ein frühes Bühnenbildmodell – gemeinsam mit Neuenfels entworfen von Katrin Connan – wird diskutiert; Katrin Connan erläutert dem Komponisten später die Details der Konstruktion. Aufgrund der Gespräche wird das Modell dann weiterentwickelt und zwei Monate darauf bei der Bauprobe auf der Bühne des Nationaltheaters neuerlich geprüft. Henry Arnold, Neuenfels’ dramaturgischer Berater (im grauen Hemd), ist natürlich ebenso mit von der Partie wie sein Regiemitarbeiter Wolfgang Nägele (mit Locken) und der Assistent Philipp Lossau (mit Brille), von der Staatsoper außerdem der Künstlerische Betriebsdirektor Viktor Schoner (im Schal) sowie Dramaturg Malte Krasting (nicht im Bild), der mit einem veralteten Smartphone einige Schnappschüsse gemacht hat. Im Laufe der Zeit füllen Kaffeeschwaden und Zigarettendunst den Salon. Erst in den Abendstunden geht man wieder auseinander, jeder mit einer Menge neuer Aufgaben. Und dem Gefühl, dass an diesem Tag eine fruchtbare Zusammenarbeit begonnen hat.

Weitere Schnappschüsse

Zurück

Kommentare

Neuer Kommentar